Leiharbeiter können Fahrtkosten zum Entleihbetrieb in voller Höhe steuerlich geltend machen

FG Münster, 13 K 456/10

Leiharbeiter, die nur bei einem Entleiher eingesetzt werden, können für Fahrten zwischen Wohnort und Entleiherbetrieb die tatsächlichen Fahrtkosten geltend machen. Der Abzug ist nicht auf eine Entfernungspauschale von 0,30 Euro pro Entfernungskilometer beschränkt. So entschied das FG Münster (Az. 13 K 456/10).

Der Kläger hatte von Oktober 2007 bis Januar 2009 als Leiharbeiter bei einem Entleiherbetrieb gearbeitet. Die Beschäftigung erfolgte aufgrund mehrerer befristeter Verträge, die ausdrücklich nicht auf die Beschäftigung bei bestimmten Arbeitgebern festgelegt waren. Das Finanzamt wollte Fahrtkosten zu dem Betrieb nur in Höhe der Entfernungspauschale anerkennen. Das reichte dem Kläger nicht.

Das FG entschied entgegen der Verwaltungsauffassung im Sinne des Klägers und gewährte ihm weitergehend einen Abzug von 0,30 Euro pro gefahrenem Kilometer. Die Anwendung der Entfernungspauschale setze eine regelmäßige Arbeitsstätte voraus. Dies müsse eine ortsfeste Einrichtung seines Arbeitgebers sein. Hier liege keine regelmäßige Arbeitsstätte vor, da er nicht bei seinem Arbeitgeber, sondern beim Entleihbetrieb tätig und keinem bestimmten Entleiher fest zugeordnet gewesen sei. Sogar ein bundesweiter Einsatz sei laut Vertrag möglich gewesen. Dass er im Nachhinein nur bei einer Firma tätig war, ändere die Beurteilung nicht. Voraussetzung für die Gewährung nur einer Entfernungspauschale sei, dass sich der Arbeitnehmer auf diese Situation vorab einstellen könne. Das sei hier nicht der Fall gewesen.